Hausbesetzung in Manheim

Erstellt am 24.08.2013 um 23:30 | 3 Kommentare

Nachdem den Teilnehmer_Innen des diesjährigen Klimacamps das Recht auf öffentliche Meinungs,- und Versammlungsfreiheit verwehrt wurde, besetzen mehrere Umweltaktivist_Innen ein leerstehendes Haus in Manheim. Ein Dorf, das mit der Ausweitung des Tagesbaus bis 2017 abgebaggert werden soll. Die Umsiedlung hat bereits begonnen, obwohl es noch keine Genehmigung für das Abbaggern des Dorfes gibt. Ziel der Hausbesetzung ist es, dies aufzuzeigen und auf die hier vorherrschenden repressiven Strukturen gegenüber dem Klimacamp aufmerksam zu machen. Das Klimacamp braucht mehr Platz!

Die Forderung der  Menschen auf dem Dach des besetzten Hauses ist: “Wir werden erst runter kommen, wenn das Klimacamp seine Zelte auf der Obstwiese stellen kann!”

15:55 Uhr: Es wird gefeiert, gesungen, gelacht und getanzt am Straßenende der Esperantostraße in Kerpen-Manheim. Zwei Clowns sitzen gemeinsam auf der Straße und zeigen sich gegenseitig neue Tricks mit ihren Wunderkugeln. Die Klimacampaktivist_Innen zeigen, dass sie sich von den Repressionen nicht unterkriegen lassen, sondern aufstehen und für Autonomie kämpfen. Die Hausbesetzung ist ein wichtiges und richtiges Zeichen. Daher freuen sich die auf der Straße wartenden Menschen umso mehr, dass die Umweltaktivist_Innen bereits seit mehreren Stunden auf dem Dach eines Hauses ausharren. Die Forderung ist klar: Wir bleiben so lange, bis Polizei und Gemeindeverwaltung uns erlauben, das Klimacamp auf der öffentlichen Obstwiese aufzubauen.

16:00 Uhr: unerwartet entsteht ein Tumult in den Reihen der Polizei. Etwa 10 Polizist_Innen stürmen von hinten aus ihren Reihen und drücken einen der spielenden Clowns gewalttätig zu Boden. Sofort kommen sämtliche Aktivist_Innen, um dem Menschen zu helfen. Doch sofort hallen mehrere “Verpisst euch!” “Haut endlich ab!” begleitet von Schlägen durch die Straße. Die Polizeieinheit schubst zahlreiche Menschen, greift andere hart an den Armen und drückt weitere Menschen zu Boden. Dabei wird eine Person auf ein auf der Straße liegendes Fahrrad geschubst, weshalb sie sich an Armen und Rücken verletzt. Währenddessen wird der Clown von drei Polizist_Innen in den Schwitzkasten genommen und abgeführt. Von weitem können die Unterstützer_Innen erkennen, dass ihm mit Kabelbinder die Hände gefesselt werden und er schnell in einen Einsatzwagen gezwängt wird. Keine_r_m Aktivist_Innen war der Beweggrund und der Anlass bewusst. Diese gewaltsame Festnahme diente scheinbar rein der Provokation und dem “Frust ablassen” der genervten Polizist_Innen.

Im Laufe des Tages hatte der Clown immer wieder mit Spielzeug Auto, Kreide oder einem Playmobil-Polizei-Menschen herum gealbert. Wird also ein Mensch festgenommen, weil er auf der Straße mit Spielzeug spielte?! -Anscheinend schon.

Dennoch verharren die Aktivist_Innen weiterhin voller Energie und Tatendrang auf dem Dach. Regen und Repression aushaltend, sitzen die ewig Gefilmten in der Höhe und geben nicht auf zu kämpfen.

18:00 Die Reclaim Power Tour kommt vorbei! Auf dem Weg zum Camp kommen dutzende RadlerInnen der Bike Tour am Haus vorbei und bleiben unterstützend vor Ort.

19:00 Die Aktivist_Innen haben Hunger und es regnet weiter. Die Polizei verhindert jegliche Unterstützung in Form von Essen oder Decken. Sie reagiert gewalttätig und versucht Hilfe zu unterbinden. Dennoch bleibt die Stimmung auf der Straße gut. Zahlreiche Menschen solidarisieren sich kreativ und lautstark, Kohlegegner_Innen tanzen weiter auf der Esperantostraße!

19:30 Eine neue Hundertschaft rückt an und beginnt die Esperantostraße weiträumiger abzusperren. Die Polizei versucht die Unterstützer_Innen aus der Sichtweite der Besetzung zu drängen. Geschlossen und aggressiv gehen die Polizist_Innen gegen die friedlichen Menschen vor. Besonders die Samba Gruppe wird Opfer von Übergriffen seitens der Polizei. Einige kommen zu fall oder verletzen sich sogar. Ohne jeglichen Anlass scheinen die Beamt_Innen ihren Frust an den Protestierenden raus zu lassen. Die Polizei schubst, schlägt und geht brutal vor.

21.30 Die Leute auf dem Dach sind immer noch dort. Die Polizei hat viel mehr Polizei zusammen gezogen. Auf der Straße davor sind zahlreiche Unterstützer_innen. Eine Hebebühne von RWE wird heran geschafft, um an die Besetzenden zu kommen. Die Einsatzleitung lehnt immer noch jede Unterstützung in Form von Essen ab. Deren Begründung ist, dass die Besetzenden einfach vom Dach kommen sollten, um etwas zu essen zu erhalten. Die ist offenkundig rechtswiedrig!

22:00 Es gibt Polizeiketten, die das Grundstück absperren. Die Hebebühne ist vor das Haus gefahren worden und ist einsatzbereit. Die Räumung scheint näher zu rücken. Circa 60 Menschen befinden sich auf der Straße. Die Vokü / Küfa versucht auch die Besetzung mit Essen zu versorgen. Dies wird weiterhin von Seiten der Polizei untersagt. Die Anwohner_Innen schauen dem ganzen Vorgang zu und diskutieren das Gesehene. Auch hier scheinen die Meinungen über die Besetzung weit auseinander zu gehen.
Es ist schwer zu sehen, was genau in dem Haus passiert, da die Polizei versucht jeglichen Blickkontakt zu unterbinden. So wird es unmöglich Fotos zu machen oder die drohende Räumung zu dokumentieren. Die Öffentlichkeit wird gezielt ausgeschlossen.

Es ist dringend notwendig mehr Aufmerksamkeit der Presse zu erhalten. Nur so können wir den Forderungen und Botschaften der Aktivist_Innen ein größeres Gehör verschaffen: Ein Camp, dass sich für den sofortigen Kohleausstieg einsetzt braucht Raum und Platz! Protest und Widerstand ist unser Recht und notwendig!

SYSTEM CHANGE. NOT CLIMATE CHANGE.

 

3 Kommentare to “Hausbesetzung in Manheim”

  1. Hallo,

    Weshalb regt ihr euch hier so auf? Wer Hausfriedensbruch begeht, muss in einem Rechtsstaat nunmal mit einer Räumung rechnen, wenn er der Bitte nicht nachkommt.
    Das soll jetzt aber nicht heissen, dass die POL mit aller Härte vorgehen darf! Es sollen natürlich die Menschen- bzw. Bürgerrechte gewahrt bleiben.

    Ich verstehe auch den Sinn des Camps nicht ganz. Wo soll der ganze Strom denn herkommen, wenn die Kohlekraftwerke sofort abgeschaltet werden? Etwa wieder aus AKWs? Energiewende ja, aber nicht um jeden Preis.

  2. südkarren says:

    das ist nur eine winzige Kleinigkeit am Rande, die ich klar stellen muss weil ich das Alles mitverfolgt habe, weil ich dabei bin, weil ich eine andere Klimawende will.
    Der Clown hat sich unsozial Verhalten und die Privatsphäre die Jedem Menschen zusteht missachtet. Er ist sehr dicht, unangenehm nahe, an die Person herangetreten und hat Faxen mit Scherzartikeln gemacht obwohl die Person deutlich zum Ausdruck gebracht hat, dass ihr das unangenehm ist. Auf wiederholte Anweisung dies zu unterlassen ist er nicht eingegangen. Das konnte er nur weil der Polizist in seinem Auftrag eine Absperrung zu stellen gehindert war normal, menschlich zu reagieren. Damit hat er sich schuldig gemacht.

    Wir haben Ziele und eines davon heißt im Auftrag der Klimawende den Braunkohletagebau zu Stoppen. Die Clown-Aktion hat dazu rein gar nichts beigetragen, nur um das mal abgemildert auszudrücken.

    Wir sollten nicht zu feige sein Fehler einzugestehen. Der Kommentar muss öffentlich gemacht werden damit sich alle Betroffenen in Manheim und im Camp damit auseinander setzen können.

  3. südkarren says:

    Die Zahl derer die den Braunkohletagebau beenden möchten und eine Energiewende möchten die den Namen verdient sind weitaus mehr als es das Klimacamp hergibt. Ich meine es müssen mehr Leute unterschiedlicher Lebenseinstellung zusammen finden um gemeinsam mehr Akzeptanz zu finden.
    Sicher sind auch viele Bewohner prinzipiell auf unserer Seite.
    Auf dem Kamp dagegen dominierenden auf den ersten Blick Menschen die schon weiter gehen und diese Systemverachtung mit jeder Faser ihrer Erscheinung zum Ausdruck bringen.
    Statt versucht wird viele Menschen mit einzubeziehen werden oft Feindbilder aufgebaut die personenbezogen sind, dabei wird vergessen “der Fisch beginnt am Kopf zu stinken”. Das eigentliche Ziel kommt dabei zu kurz, Politik und Konzerne.
    Um das Klimacamp herum habe ich in den unterschiedlichen Positionen Verhaltensmuster erlebt die mich beängstigen, weil die daraus entsehenden Positionierungen nicht ausreichend reflektiert sind und einfach zu kurz greifen. Letztendlich wurzeln diese alle in der marktkonformen Politik die quasi alle Bürger nicht nur ausgrenzt sondern regelrecht ausbeutet. Die Bürger werden nicht gehört und bilden gegensätzliche Stimmungslager die jeweils die Anderen verurteilen.
    Mir grauts! Die Empathie geht flöten.
    Da sind zum einen die Aktivisten, die mit dem ehrenwerten Ziel unsere Lebensgrundlagen bewahren zu wollen, und die notgedrungen zu radikaleren Mitteln greifen müssen um überhaupt eine Chance haben gehört zu werden.
    Und auf der Anderen Seite einige Bewohner die vermutlich nicht minder frustriert sind von der Politik aber durch einen Job bei dem Energieunternehmen gesicherte Einkünfte haben und jetzt kurzsichtig ihren Besitzstand verteidigen.
    Da kommen spontan und unweigerlich Bilder rechtsradikaler Gruppierungen hoch wenn man die positionierten Bewohner in ihrem Hof stehen sieht, wie sie in breitbeineiger Haltung und militärisch anmutendem Machinenpark offensichtlich dazu beitagen möchten die Feindbilder, die Konsumverweigerer, zu vernichten.
    Ja und auf der anderen Seite diejenigen die Alternativen zur Ausbeutung durch den Wachstumszwang suchen und schon so leben und dies optisch und im Verhalten zum Ausdruck bringen, bunt und skuril.

    Mir grauts! Dumpfer Konservatismus gegen kreative Lebensformen.

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