Aufruf

Vom 03.08. bis 12.08.2012 findet in Manheim bei Köln zum zweiten mal ein Klimacamp statt. Manheim ist durch den Braunkohletagebau Hambach von der Abbaggerung bedroht. Klimacamps sind temporäre Orte der Vernetzung, Bildung, direkter Aktionen und des nachhaltigen Zusammenlebens um Klimabewegung wachsen zu lassen. Am 10. und 11.08. möchten wir das gute Leben auf unserem Klimacamp-Solidaritätfestival feiern.

Warum das Rheinische Braunkohlerevier?
Hier gibt es die Chance einen wichtigen Bewegungskristallisationsort zu etablieren! Manheim liegt am Rand des Tagebau Hambachs, welcher mit dem Tagebau Inden und Garzweiler das von RWE betriebene Rheinische Braunkohlerevier bildet. Dort wo sich die größten Bagger der Welt durch die Landschaft fressen, sind die Folgen lokal wie global verheerend: gigantische Feinstaubbelastungen, Zerstörung von Dörfern, Kulturlandschaften und wertvoller Ökosysteme wie des Hambacher Forst. Die 5 Großkraftwerke des Reviers stellen mit 100 Millionen Tonnen CO2 die größte CO2- Quelle Europas dar. Neben den direkten gesundheitlichen Folgen für die lokale Bevölkerung, tragen insbesondere Menschen im globalen Süden jetzt schon die Folgen des Klimawandels durch Dürren, Ernteausfälle und Hunger, wobei sich die Lage bei dem unkontrolliert beschleunigten Klimawandel weiter dramatisch zuspitzen kann. Im Rheinische Braunkohlerevier wird Ausbeutung von Menschen, Umwelt, des Klimas und Generationsungerechtigkeit gebündelt sichtbar. Deswegen ist hier genau der richtige Ort um Widerstand zu leisten.

Widerstand konkret
Während des letzten Klimacamps gab es eine 12stündige Blockade der Hambach-Kohlebahn und seit April 2012 ist der Hambacher Forst von Aktivist_innen besetzt, um die letzten 1000 ha dieses wertvollen Waldes vor seiner endgültigen Zerstörung zu bewahren. Derzeit gibt es eine Renaissance des dreckigsten aller in Deutschland eingesetzten Energieträger, der Braunkohle. Gleichzeitig ist der Braunkohleausstieg eine strategisch notwendige Voraussetzung um überhaupt eine nachhaltige Energiewende in Deutschland gelingen zu lassen. Das Energieland NRW und das Rheinische Braunkohlerevier spielen hierbei bundesweit eine Schlüsselrolle. Deshalb auf nach Manheim. Leisten wir den notwendigen Widerstand als eine Art solidarische Selbstverteidigung, um den Braunkohleausstieg zu erreichen.

Unsere Alternativen
Uns ist klar, dass wir über den Protestmodus hinauswachsen müssen. Neben unserer Bildungs- und Öffentlichkeitssarbeit, unserem strategischen Ziel des sofortigen Braunkohleausstieg, ist der Aufbau von Alternativen ein wichtiger Fokus. Hier lautet unsere Perspektive Energiedemokratie, d.h. die Vergesellschaftung der großen Energiekonzerne und der Aufbau einer sozialen, ökologischen und dezentralen Energieversorgung in Bürger_innenhand. Nur ein solidarisches und partizipatives Gemeinwesen ist ein Schutz vor den Abhängigkeiten des wachstumsgetriebenen Kapitalismus mit einem endlosen Hunger nach fossil-atomaren Brennstoffen. Jenseits der Angst durch Sparmaßnahmen und Krisendiktat setzen wir auf ein Klima der Solidarität. Dieses Gemeinwesen möchten wir im Kleinen im Klimacamp umsetzen und Klimagerechtigkeit praktisch werden lassen. Wir sind Veränderung.

Vernetzt und ausgeCO2hlt
Genauso wie die Kampagne ausgeCO2hlt als Organisatiorin des Klimacamps strömungsübergreifend Menschen und Initiativen zum Thema Braunkohleausstieg bündelt, möchten wir das Klimacamp zu einem lebendigen und internationalen Vernetzungs- und Lernort sozialen Bewegungen wachsen lassen. Ob Bewegung für Ernährungssouveränität, Reclaim the Fields, kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, globale soziale Rechte oder den sofortigen Atomausstieg – es gilt die Beziehungen untereinander zu erkennen, zu stärken und damit zu revolutionieren.

„Der echte Antrieb sozialer Veränderung ist niemals ‘kritische Masse’; dramatischer und systemischer Wandel beginnt immer mit ‘kritischen Beziehungen’“ frei nach Margaret Wheatley